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Der „Sonderclub“ ist schon ein ganz besonderer Club

„Wer oder was ist der Sonderclub?“ Diese Frage dürfte dem interessierten Leser ganz bestimmt in diesem Moment durch den Kopf gegangen sein. Für die Mitglieder des Sonderclub gehört diese Frage mittlerweile zum Vereinsalltag, sehen sie sich doch immer wieder dieser ausgesetzt.

Die Antwort hierauf ist in der über 110-jährigen Vereinsgeschichte des Sonderclub zu finden. Leider geben die schriftlichen Unterlagen wie Sitzungsprotokolle oder Niederschriften von Jahreshauptversammlungen wenig Auskunft über das eigentliche Entstehen dieser alten, traditionsreichen Vereinigung. Erschwerend kommt hinzu, dass diese erst seit 1935, und das auch nicht durchgehend, vorliegen. Was die Entstehung dieses Vereins betrifft, ist man somit im Großen und Ganzen auf mündliche Überlieferungen angewiesen.

Soweit überliefert, nannte sich der Sonderclub ursprünglich „Blaue Wolke“, später dann „Tragelia“. Zu den Zeiten, als sich der Club noch „ Blaue Wolke“ nannte, liegen keine Datierungen vor. Anders hingegen zu Zeiten der „Tragelia“. Eine wahre Begebenheit erzählt aus dem Jahre 1903. Da es sich hierbei um die erste nachvollziehbare Zeitangabe handelt, wurde die Entstehung des Sonderclubs auf dieses Jahr datiert.

Seinerzeit taten sich junge, unverheiratete Männer zum Zwecke des geselligen, fröhlichen Beisammenseins zusammen, um sich hierzu, wenn möglich, einmal im Monat zu treffen. Dies wird übrigens bis heute noch praktiziert, indem sich die Mitglieder des Sonderclubs jeweils am letzten Freitag des Monats versammeln.

Im weiteren Verlauf der Vereinsgeschichte wurde aus „Tragelia“ der „Club Fröhliche Zunft Sandweier 1928“. Ab 1938/1939 wird erstmals die Bezeichnung „Sonderclub Sandweier“ erwähnt.

Die vorhandenen Protokolle geben einen gewissen Einblick in das Vereinsgeschehen. So hatte der Sonderclub von jeher eine ordnungsgemäße Verwaltung, welche für den Verein die Verantwortung trug. Auch wurden regelmäßig Jahreshauptversammlungen durchgeführt.

In seiner Geschichte musste der Verein, geprägt durch gesellschaftliche und kulturelle Veränderungen, die eine oder andere Flaute überstehen. Und dennoch hat sich der Verein, welcher in den Niederschriften wohl aufgrund des heimischen Dialektes bis heute noch als „die Sonderclub“ bezeichnet wird, im Vereinsgeschehen über 110 Jahre erhalten und ist fest im heimatlichen Leben verankert

Bei jeder Versammlung im Vereinslokal, zuerst der „Grüne Baum“, dann die „Krone“, später der „Hirsch“, darauf folgend das Gasthaus „Zum Sternen“ und heute das Clubhaus des Fußballvereins Sandweier, wurde und wird von den Anwesenden der sog. Pflichtbeitrag eingezogen. Dafür wurde und wird in jeder Versammlung ein Fass Bier angestochen, welches an diesem Abend noch geleert werden musste und auch heute noch muss.

Wer dem Club als Mitglied beitreten möchte, muss zuerst eine Aufnahmeprüfung bewältigen. Diese besteht darin, während des Aufnahmegesanges der anwesenden Mitglieder des Liedes „Trink aus, trink aus, trink aus“, ein Glas Bier mit einem Zug zu leeren. Erst dann wird der Prüfling mit allen Rechten und Pflichten in den Sonderclub als Mitglied aufgenommen. Es ist nicht bekannt, dass ein Bewerber diese Prüfung nicht bestanden hätte.

Wie bereits erwähnt, waren die ordentlichen Mitglieder Junggesellen. Nach seiner Heirat wurde das Mitglied automatisch Ehrenmitglied des Vereins. Die ungeschriebene Regel, dass nur Unverheiratete in der Verwaltung tätig sein durften, konnte allerdings auf Dauer nicht aufrechterhalten werden. Aus demselben Grund ist man dazu übergegangen, auch verheiratete Neumitglieder aufzunehmen. Eines hat sich aber bis heute nicht geändert: die Mitglieder des Sonderclubs setzen sich ausschließlich aus dem männlichen Geschlecht zusammen. Einzige Ausnahmen bilden die, leider inzwischen verstorbene, Wirtin des ehemaligen Vereinslokals, das Gasthaus „Zum Sternen“, sowie die ehemalige Wirtin des heutigen Vereinslokals, dem Clubhaus des Fußballvereins Sandweier.

Im Jahre 1939 feierte man in der damals allgemein als Festhalle dienenden Dreschhalle, allerdings um einige Jahre verspätet, das 30-jährige Vereinsjubiläum. Vom 07. bis 09. Juli 1956 konnte dann mit großem Erfolg das 50-jährige Vereinsjubiläum begangen werden. Auch hier war die Dreschhalle an der Römerstraße wieder Festplatz. Im Juli 1966 wurde im Hof des damaligen Vereinslokals „Hirsch“ das 60-jährige Vereinsjubiläum veranstaltet, wohl in etwas kleinerem Rahmen, aber doch recht erfolgreich, wie der Jahresbericht 1966/67 ausweist. Unvergessen bleiben die Feierlichkeiten zum 75-jährigen Vereinsjubiläum im Jahre 1978, an denen das gesamte Dorf Anteil nahm, sowie zum 100-jährigen Vereinsjubiläum, welches vom 14. bis 16. Juni 2003 auf dem Festplatz Sandweier begangen wurde.

Zu den besonderen Aktivitäten des Sonderclubs gehörte in den zwanziger und dreißiger Jahren das „Neujahrschießen“ mit alten Vorderladern und Karabinern, welche noch aus der Zeit des Ersten Weltkrieges stammten. Es wurde traditionsgemäß in der „Kreuzgasse“ (=Kreuzung Sandweierer-, Römer- u. Mühlstraße) durchgeführt. Auf Kommando, meist durch den 1. Vorsitzenden, wurden mit dem letzten Glockenschlag zu Neujahr die Salven abgefeuert.

Der Sonderclub war und ist stets bemüht, etwas von dessen Gesellig- und Fröhlichkeit an alle Freunde, Einwohner und Gäste weiterzugeben. Tradition haben hierbei die alljährlich acht Tage vor Fasnacht stattfindenden „Kappenabende“, deren buntes Programm grundsätzlich von Vereinsmitgliedern gestaltet wird. Auch Fastnachtsumzüge in kleinerem Rahmen wurden vom Sonderclub durchgeführt, letztmalig im Jahre 1951.

Zu den regelmäßigen Aktivitäten gehörten und gehören Ausflüge unterschiedlichster Art, welche nicht minder auch dem Kennlernen der eigenen Heimat und dessen Brauchtum dienten und dienen. Aber auch die Teilnahme am alle zwei Jahre stattfindenden „Sondwiermer Erdepflerfescht“, die vom Sonderclub erstmals 2005 durchgeführte Waldputzaktion sowie die enge Zusammenarbeit mit heimischen Vereinen, tragen zur Wahrung und Pflege des Heimatgedankens bei.

Bis dato ohne eigene Satzung und nicht eingetragener Verein, wurde am 19. März 1993 eine Satzung errichtet. Demnach ist nun ganz offiziell der Zweck des Clubs
a) die Förderung des geselligen Lebens und der Kameradschaft sowie die Pflege des alten Liedgutes
b) das Brauchtum zu erhalten und zu fördern durch Abhaltung von regelmäßigen Sitzungen.

Mit Datum 15. Juni 1993 wurde der Verein in das Vereinsregister der Stadt Baden-Baden eingetragen und führt seitdem den Namen „Sonderclub Sandweier 1903 e.V.“.

Abschließend seien noch die 1. Vorsitzenden, soweit bekannt, aufgeführt:
1931-1951 Stefan Blank
1951-1957 Markus Ullrich
1957-1958 Norbert Ullrich
1958-1960 Helmut Fettig
1960-1984 Heinz Straub
1984-2006 Manfred Staginnus
seit 2006   Thorsten Bastian